Geschichte

Chronik der Gemeinde Kühnhausen

Frühgeschichte

Der Ort liegt 7 km nördlich von Erfurt. Westlich markiert der Hügel „Schwellenburg” das Ortsbild, der sich ca. 50 m über die flachwellige Landschaft erhebt.
Am östlichen Ortsrand fließt der Fluss „Gera” sowie der Seitenstrom die “Mahlgera” vorbei.
Von West nach Ost fließt der “Weißbach” durch den Ort und mündet dann im Norden von Kühnhausen in der Gera. Mit Sicherheit ist die Umgebung von Kühnhausen ein frühgeschichtlicher Siedlungsraum. Bodenfunde (menschliche Skelette, Tierknochen, Topfscherben, Feuersteinmesser, andere Werkzeuge) am „Kleinen Roten Berg”, am „Krainenberg” und auf der „Schwellenburg” zeugen davon.
1974 wurde beim Bau der Fernverkehrsstrasse F4 ein Wagengrab gefunden, man vermutet hier das Zentrum des „Thüringer Reiches” (Mitte des 1. Jahrtausends). Der Bau der Autobahn A71 (2004 – 2006) brachte Grabstätten und Fundamente von Wohnbauten nebst Abfallgruben zutage, die wahrscheinlich aus der Zeit um 3000 v. Chr. stammen.

Ortsname

Wie die meisten Siedlungen unserer engeren Heimat, die auf „hausen” enden, ist wohl auch Kühnhausen eine Gründung der Franken, die nach ihrem Sieg über Thüringen im Jahre 531 nach Thüringen einwanderten. Die Entwicklung des Ortsnamens ist an Urkunden zu verfolgen.
Die erste Erwähnung von 1141/43 nennt Chindeshausen.
1267 werden Friedrich und Heinrich von Kyndehusin als Zeugen und Schiedsrichter beim Gericht benannt.
1295 verkaufen Theoderich, Ludwig und Konrad von Kindehusen ihre sämtlichen Güter an das Neuwerkskloster zu Erfurt. Bis ins 15. Jh. hat damit die Gemeinde Anteil an Blüte und Wohlstand der Stadt Erfurt, aber sie teilt auch seine Missstände und Plagen, wie Kriegszüge, Seuchen, Judenverfolgung und Teuerung.

14. -17. Jahrhundert

1490 kann Erfurt seinen großen Landbesitz nicht mehr allein verwalten und bildet Vogteien. Kühnhausen gehört mit Gispersleben, Ilversgehofen, Schwerborn nun zur Vogtei Stotternheim.
Die 1. Hälfte des 16 Jh. bringt den Dörfern durch Raubüberfälle, Hungersnöte, Unwetter und Pest oft Tod und Niedergang. Auch von den Reformationskämpfen bleiben die Orte nicht verschont. Sie führen schließlich zur Einsetzung eines protestantischen Pastors für die Gemeinden Kühnhausen und Tiefthal zusammen.
1535 wird neben der Kirche in Kühnhausen eine evangelische Schule eingerichtet, die beitragen soll, das reformatorische Gedankengut durchzusetzen. Um 1620 ist Kühnhausen ein reines Ackerdorf. Auf den fruchtbaren Fluren gedeihen Rüben und Klee, Roggen und Weizen, ab 1775 werden auch Kartoffeln. Anis und Mohn angebaut, am Südhang der „Schwellenburg” auch Wein, der aber bis 1900 wieder ganz verschwindet. Dabei entwickelt sich der Obstanbau gut.
Die Ernten sind zwar stark vom Wettergeschehen der einzelnen Jahre abhängig, ernähren die Bauern meist gut.
Der 30-jährige Krieg bringt der Bevölkerung großes Elend. Durchziehende Truppen fordern Proviant, verwüsten Felder und Häuser, erschießen die rebellierenden Bauern. Die Pfarrei ist 11 Jahre nicht besetzt, junge Männer wandern ab, Räuber plündern. Am Ende des Krieges stehen in Kühnhausen noch 28 Häuser. 1650 ist die schwedische Armee aus dem Raum Erfurt abgezogen. Die Stadt und damit auch Kühnhausen wird 1664 wieder von Mainz regiert. Die Herrschaft von Kurmainz war für das Erfurter Gebiet nicht immer segensreich.
1678 wird ein großer Komet gesichtet, er wird sicher als böses Omen angesehen, das Jahr gilt als Unglücksjahr. Die Pest wütet, unter dem Vieh verbreiten sich Seuchen, gottesdienstliche Versammlungen dürfen deshalb nicht abgehalten werden. Das 17. Jh. endet mit Hungerjahren. Trotzdem geht das Baugeschehen im Ort Kühnhausen weiter.
1711 wird die alte Kirche „St. Pankratius” wegen Baufälligkeit abgerissen.
1714 steht die neue Kirche „Porta Coeli”. Eine Schänke und ein Brauhaus werden gebaut, Stege und Brunnen und auch am Weidenwehr wird weiter gearbeitet.
1739 wird die Schule neu aufgebaut.

Freiwillige Feuerwehr

Der Ort hat in diesen Jahren (ca.1800) schon ausgebildete Feuerwehrleute. Zur Feuerrüstung gehörten in den nächsten Jahren:
4 Leitern
2 große Feuerstangen,
2 kleine Feuerstangen,
3 Eisenstacheln.

Am 15. Oktober 1822 hat der Landrat Türk eine Feuerwehrübung in Kühnhausen durchgeführt. Unter Punkt 7. steht geschrieben:
Wer zu spät oder gar nicht erscheint (Feuerwehrübung Te.) oder die aber vorgeschriebenen ihn anvertrauten Werkzeuge nicht mitbringt, der ohne Abzeichen soweit solche bereits angeschafft sind erscheint, wird notiert und gestraft.
Am 5. Dezember 1838 wird die Feuerwehr Kühnhausen vom Landrat Türk überprüft.
Die Feuer-, Lösch- und Rettungsgeräte, nämlich
1 Rohrspritze,
4 Feuerleitern,
12 Feuerharken,
52 lederne Feuereimer,
9 Tragkübel und
9 Löschwische
wurden revidiert, geprüft und in brauchbaren Stand gefunden. Sie sind trocken und sicher aufbewahrt. Die periodischen Feuervisitationen haben nach der Vorschrift im Beisein der Feuerkommission und eines Gendarmen stattgefunden, und die Schornsteine sind gehörig gereinigt worden.
(teilweise wörtliche Auszüge)

Überschwemmung

Über die Jahrhunderte richten Überschwemmungen immer wieder großen Schaden in Ort und Umgebung an. In der Mitte des 18.Jh. wüten die Fluten des Weißbaches aus Tiefthal und des Gerastromes besonders stark und reißen alles mit. 1779 beteiligt sich die Gemeinde an einem großen Umbau der Gerabefestigungen. Zwischen Ringleben und Gispersleben wird der Fluss begradigt, die Uferböschung mit Weiden befestigt. Nach 12 Jahren Bauzeit kostet das Unternehmen 70.000 Reichstaler, die zu ¾ vom Land und ¼ von der Stadt Erfurt bezahlt werden.
Die Hochwassergefahr kann jedoch nicht endgültig gebannt werden. Spätere Überschwemmungen richten weitere beträchtliche Schäden an (1799,1871,1947,1981,1994)

Napoleons Kriege

1802 kommt der Ort mit Erfurt, dem Eichsfeld, Mühlhausen und Nordhausen unter die Herrschaft von Preußen, als Ausgleich für dessen Verlust der linksrheinischen Gebiete. Die Kriege Napoleons (1803-1813) haben auch Einfluss auf das Leben in Kühnhausen. Immer wieder ziehen Truppen durch Kühnhausen, die plündern, Abgaben fordern, Krankheiten einschleppen.
Auf dem Rückzug nach der Völkerschlacht 1813 ziehen Horden verschiedener Nationalitäten durch den Ort, die geplagten Menschen können nicht mehr unter Besatzung und Befreiern unterscheiden. Es sterben 35 Einwohner. 1813 kann endlich ein prächtiges Friedensfest mit Fahnen und feierlichem Gottesdienst begangen werden. Kühnhausen wird wieder preußisch.

Leben unter Preußens Regierung

Die Lebensbedingungen unter Preußens Regierung gestallten sich für die Kühnhäuser nicht besser. Erst 1895 macht sich ein wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland bemerkbar.
Trotz der Kriegslasten wurde 1808 die große Brücke über die Gera gebaut. Befestigte Fußwege und kleine Brücken als Zugang zu den Fluren werden geschaffen.
1830 wird der Neubau der „Chaussee” nach Erfurt vorangetrieben. An der Straße entstand ein neuer Gasthof. Diese Gaststätte „Seegel” besteht bis 1955.
1847 baut der Einwohner Schwade an der Kleinen Schwellenburg eine Kalkmühle. Er setzt sich für den Ort ein, lässt am Bach eine Kastanienallee pflanzen, die heute noch den Ort schmückt.
Auf dem alten Friedhof lässt er Linden pflanzen. Für seine Arbeiter baut er links des Baches kleine Wohnhäuser, die „Ritterstätte”.
1864 errichtet er für seine Familie neben der Kalkmühle ein großes Wohnhaus.
1939 wird der Betrieb der Kalkmühle stillgelegt, das Gebäude wird nach dem Krieg noch als Schafstall genutzt. Das Jahr 1868 bringt Kühnhausen einen bedeutenden Schritt in die Neuzeit. Eine Eisenbahnstrecke wird durch die hiesige Flur gelegt. Zuerst wird die Linie Erfurt-Nordhausen gebaut, dann die Linie Erfurt-Langensalza. Ein Bahnhofsgebäude kommt dazu. Um die Jahrhundertwende werden gegenüber dem Bahnhof ein Gasthaus und dazu noch ein Tanzsaal gebaut. Diese werden fast 100 Jahre von den Einwohnern gern zu Festlichkeiten und Tanzvergnügen angenommen.
Die Gaststätte “Am Bahnhof” (Michel) wird heute noch betrieben, der Tanzsaal wird seit 1990 nicht mehr genutzt.
Auch andere Projekte werden in dieser Zeit verwirklicht. Der neue Friedhof wird angelegt und durch eine Brücke mit dem Kirchengrundstück verbunden. 1904 steht das neue Pfarrhaus. 1911 wird eine neue Schule an der Stelle des alten Gasthauses gebaut, die Kosten betragen 25.000 RM.
Der Fleischer Otto Vent erhält eine Konzessionsurkunde „zum Betrieb der unbeschränkten Schankwirtschaft in dem Haus Nr. 17 in Kühnhausen”. Diese neue Gaststätte wurde über das Jahr 2000 hinaus gern besucht. Die Gaststätte war von 1875 bis 2008 in Familienbesitz.
2008 wurde die Gaststätte “Wiegand” geschlossen.
Inzwischen gibt es auch das erste Telefon (1906), und die Elektrifizierung wird Schritt für Schritt in Angriff genommen.

1. Weltkrieg

Diese stetige Entwicklung findet mit Beginn des 1. Weltkrieges eine jähe Unterbrechung.Viele Männer werden eingezogen. Lebensmittel, Kleidung, Schuhe gibt es nur auf Bezugschein. 1917 wird eine Kirchenglocke geopfert, auch die Orgelpfeifen werden gespendet. Am Ende des Krieges sind 14 Gefallene zu beklagen. Am 13. Nov. 1921 wird für diese Kriegsgefallenen auf der Kleinen Schwellenburg ein Denkmal errichtet. Der Lehrer Richter beginnt nach seiner Rückkehr aus dem Krieg wieder mit dem Unterricht. Der Kirchturm erhält eine neue Glocke, die Orgel wird vollständig wiederhergestellt. Der Kirchenraum wird farbenfroh ausgemalt.
Der alte Kirchenspruch ist nun wieder zu lesen: „Wie Heilig ist diese Stäte! Hie ist nichts anders den Gottes Haus und hie ist die Pforte des Himmels. Gen. XXIIX;17″

Weimarer Zeit / 3. Reich

1927 feiert der Turnverein Kühnhausen sein 25-jähiges bestehen. Jugendliche erschaffen im „Steinfeld” einen Sportplatz, der noch heute von der Fußballjugend bespielt wird. 1936 wird Kühnhausen an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Eine Abwasserverregnungsanlage mit ausgedehntem Leitungsnetz im Steinfeld ermöglicht die Bewässerung der Fluren.

2. Weltkrieg

1939 gehört Kühnhausen zu Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt. Das Dorf hat 601 Einwohner. Die Bevölkerung sieht, dass es wirtschaftlich und sozial bergauf geht.
Ein Zeitzeuge äußert: „Jetzt war Ordnung, und es ging aufwärts”. So ist zu verstehen, dass ein Großteil der Bevölkerung am Beginn des
2. Weltkrieges 1939 hinter der NSDAP steht. Als 1942 Ostarbeiter oder Kriegsgefangene zu Arbeiten an der Bahnlinie eingesetzt werden, nehmen die Einwohner kaum Notiz von ihnen. Kriegsgefangene, die in der Landwirtschaft und in der Gurkenfabrik arbeiten, werden jedoch freundlich behandelt. Wieder wird die Kirchenglocke eingeschmolzen. Einwohner erhalten Bittbriefe von deportierten Erfurter Juden aus Polen. Die Familie schildert ihre erbärmlichen Lebensumstände. Sie wird später mit ihrem 7-jähr. Mädchen völlig ausgelöscht. Eine Bürgerin äußert sich kritisch über das Hitlerregime und geht dafür in Haft.
1945 wird die Eisenbahnbrücke gesprengt, um das Heranrücken und die Versorgung des Feindes zu behindern.
Im April 1945 werden am Bahnhof 2 Bomben abgeworfen, Einwohner werden nur leicht verletzt.
Daraufhin wird ein Flakgeschütz aufgebaut, dies soll nun den Ort schützen.
Am 10.04.1945 widersetzen sich die NSDAP-Funktionäre dem Einmarsch der Amerikaner in den Ort. Vor dem daraufhin eingesetzten Granatbeschuss flüchten die Einwohner in die Keller. 12 Wohnhäuser werden beschädigt, ein Haus erhält einen Volltreffer, es kommen darin 10 Menschen um. Unter der Brücke am Damm stirbt ein polnischer Zwangsarbeiter. Todesmutig fährt der „alte Schlöffel” mit Fahrrad und weißer Fahne den Angreifern entgegen und kann so den Beschuss stoppen. Die einrückenden Amerikaner werden freundlich empfangen, Kinder werden von ihnen mit Schokolade, Kaugummi, Kekse und Cornedbeef beschenkt.

Kriegsende 1945

Nach der Kapitulation im Mai 1945 wird Bilanz gezogen. 39 Gefallene werden gezählt. Der ehemalige Bürgermeister wird mit Mitgliedern der NSDAP ins Lager Buchenwald verbracht, neuer Bürgermeister wird der Antifaschist Wandersleb.
Vertriebene kommen ins Dorf und werden in den Unterkünften der ehemaligen Kriegsgefangenen untergebracht. Kühnhäuser Familien mussten ebenfalls Umsiedler aufnehmen. Für die 950 Einwohner verschlechtert sich die schlimme Nachkriegszeit noch durch das große Hochwasser 1946/1947, sowie die Hungerwinter 1946/1947. In den Folgejahren wird die Bibliothek in der Schule aufgelöst. Das Kriegerdenkmal wird von der FDJ geschliffen.

DDR 1949

In den 50er Jahren kommt die Sanierung der Kirche wieder voran. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung werden 1957 drei neue Glocken auf den Turm gezogen. Eine weitere Sanierung erfolgt in den 80er Jahren. Dabei stößt man auf die bunte Bemalung der Bänke, aufgemalte Namen lassen eine früher übliche feste Sitzordnung vermuten. Der wirtschaftliche Aufschwung kommt 1959 mit dem Kiesabbau im Steinfeld voran. Weitere Erwerbszweige sind 2 Mühlen, eine Gurkenfabrik, eine Erfassungsstelle für Obst und Gemüse, eine Außenstelle der MTS. 1962 kommt noch eine Tierkörperbeseitigungsanstalt (Abdeckerei) dazu. Der VEB Wasserwirtschaft betreibt im Steinfeld eine Abwasserverregnungsanlage. Ebenfalls im Steinfeld wird 1976 eine Großkläranlage in Betrieb genommen. Der Ort Kühnhausen wird jedoch erst in den Jahren 2002-2008 an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde 1961 vollzogen. Der überwiegende Teil der Bauernwirtschaften hatten nur 2-10 ha. Mit diesen kleinen Flächen war eine Wirtschaftlichkeit nicht gegeben. Die großen Felder können nun durch Pumpstationen bewässert werden. Biologisch gereinigtes Abwasser aus der Kläranlage Erfurt und später aus der Kläranlage Kühnhausen und aus den Baggerseen wird bis Riethnordhausen oder Witterda gepumpt. Die Baggerseen entwickeln sich zu einem weithin bekanntem und beliebten FKK-Strand, der nach der Wende aber stillgelegt wird. Im Laufe der Jahre entsteht an der ersten Kiesgrube ein Campingplatz. Er ist heute ein Anlaufpunkt für Erfurt-Touristen mit Wohnwagen und wird ständig in Ordnung gehalten und verbessert. Ab 1971 wird der 4- spurige Ausbau der F4 westlich von Kühnhausen begonnen.1980 wird die alte Gerabrücke durch eine neue ersetzt und eine Ortsumgehung in Betrieb genommen. Die neue Brücke muss im Folgejahr gleich ein weiteres Jahrhunderthochwasser überstehen.
Die Schule ist ein gesellschaftlicher Mittelpunkt im Dorf. Die Lehrer sind angehalten, den Schülern das Westfernsehen auszureden und ihre eigenen „Westantennen” abzubauen. Die Schüler können am Nachmittag im Hort unter Aufsicht Hausaufgaben machen und spielen. Das Mittagessen gibt es frisch, schmackhaft und reichlich in der Schulküche und kostet nicht viel.
Nach der Wende werden alle Küchenfrauen entlassen, das Essen liefert eine Großküche aus den alten Bundesländer. Mit großem Einsatz gestalten die Lehrer Ferienspiele für alle Kinder. Die geringen Gebühren werden kinderreichen Familien erlassen. In den Jahren vor der Wende besitzen nur wenige Haushalte Telefon. Kohleheizung ist die Norm. Aus Mangel an einer zentralen Abfallentsorgung werden Abfälle in ausgekieste Gruben gebracht oder wilde Deponien angelegt. Papier und Schrott können an Sammelstellen zu Geld gemacht werden. Die Häuser können wegen fehlender Baumaterialien schwer instand gehalten werden. Im Dorfkonsum, beim Bäcker, beim Fleischer herrscht zwischenzeitlich immer wieder Mangel. Deshalb betreiben viele Haushalte Vorratswirtschaft mit Obst- und Gemüsebau und Konservierung der Ernte. Die gängige Informationsquelle ist längst das Westfernsehen. An den Vorwende- Demonstrationen 1989 in Erfurt und Leipzig beteiligen sich auch Kühnhäuser Bürger.

Wende 1990

Bei den ersten freien Wahlen nach der Wende erhält die CDU die Mehrheit. Nun wird die Gemeinde von dubiosen Geschäftemachern überrollt.
Ein Disco- Zelt im Steinfeld (in der Nähe des Bahnüberganges) belästigt die Anwohner durch unerträglichen Lärm. Nach einer Schießerei wird es 1 Jahr später wieder geschlossen. An der Kiesgrube wird das FKK- Baden unterbunden. Der dort angesiedelte Jugendclub muss einer wirtschaftlich arbeitenden Gaststätte weichen. 1993 wird im Riedfeld ein Asylbewerberheim eingerichtet, dessen Bewohner finden jedoch bei den Einheimischen wenig Akzeptanz.
Wegen schlechter Ausstattung wird es 1999 wieder geschlossen. Die meist in Erfurt arbeitenden Berufstätigen fahren mit dem Auto zur Arbeit, zumal Bus und Bahn ständig teurer werden. Viele Wohnhäuser können nun modernisiert und renoviert werden.
Wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse bleiben aber auch Bauruinen stehen, eine davon etabliert sich zwischenzeitlich an der Ortseinfahrt von Kühnhausen als „öffentliches Haus”. 2 neue Wohnparks entstehen „Im Stadtweg” und „In den Weiden”, damit steigt die Einwohnerzahl auf 1192 im Jahre 2003.

Eingemeindung 1994

1994 wird Kühnhausen von Erfurt eingemeindet.
Müllentsorgung, Abwasserentsorgung und Straßendienst erfolgen ordnungsgemäß durch die Stadt.
Bürgermeister und Ortschaftsrat können jetzt keine eigenständigen Entscheidungen mehr fällen. Nachdem inzwischen Konsum, Fleischerei und Bäckerei geschlossen haben, erfolgt die Versorgung der Einwohner nur noch über Verkaufswagen die den Ort regelmäßig anfahren. Wegen schwindender Schülerzahl wird die Schule geschlossen und zum Bürgerhaus umfunktioniert, die Schüler werden in Gispersleben unterrichtet. Der Wohnraumleerstand nimmt zu, denn etliche junge Leute suchen Ausbildungsplätze, Arbeit und eine Existenz in den alten Bundesländern. 2003 bis 2007 erfolgt der Bau der neuen Autobahn A71.
Sie verläuft 900 m südlich an Kühnhausen vorbei und hat eine Auf- und Abfahrt auf die Bundesstrasse 4 (ehem. F4). Sie verspricht eine weitere Ansiedlung von Gewerbe und damit auch Arbeitsplätze. Für die Gefallenen der beiden Weltkriege ist auf der Kleinen Schwellenburg wieder eine Gedenkstätte entstanden.
Im Sommer gibt es dort Freiluft-Gottesdienst mit Blasmusik. Dort wird durch die Feuerwehr jeweils am Abend vor dem 1. Mai ein großes Walpurgisfeuer entzündet, zu dem viele Leute aus der Umgebung herbeiströmen. An der Kirche wird kontinuierlich weiter restauriert, ein neues Dach, eine elektrische Turmuhr mit Geläut, Trockenlegung und Isolierung der Fundamente sind zu verzeichnen. Im Turm wurde eine Sendeanlage für Telekommunikation eingebaut.
Bei Führungen am Tag des Denkmals, oder bei Gottesdiensten kann man die freigelegten farbigen Malereien im Innenraum bewundern.
(Ausgearbeitet von Frau Christel Würbach) 2010

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